Maria und Andreas sind seit 10 Jahren ein Paar und haben drei Kinder. Als sie in meine Online-Beratung kommen, sitzen sie mit ein wenig Abstand nebeneinander. Andreas blickt reserviert in die Kamera, Maria lächelt - gleichzeitig wirkt sie etwas traurig.
„Wir haben uns als Paar verloren,“ beginnt sie. „Im Alltag mit den Kindern sind wir ein gut eingespieltes Team. Aber wir haben uns nichts mehr zu sagen.“
Ihre Beziehung ist mit den Jahren leblos geworden. Die Herzlichkeit, die Vertrautheit, die verliebten Blicke, die tiefen und stundenlangen Gespräche - das gibt es alles nicht mehr. Wenn sie reden, dann hauptsächlich über organisatorisches. Kein Wunder, dass auch die Leidenschaft und Intimität keinen Platz mehr findet.
Diese Entwicklung wie bei Maria und Andreas ist für viele Paare Realität. Kennst du das bei euch auch? Vielleicht tut es dir gut zu erfahren, dass es vielen Paare so geht und es gute Wege zurück zu tiefer Herzverbundenheit und lebendiger Beziehung gibt.
Am Anfang einer Liebesbeziehung sind wir geflutet von Liebes- und Glückshormonen. Das Miteinander ist geprägt von Zärtlichkeit und Intimität und es scheint, als würde die Partnerschaft wie von selbst funktionieren. Aber - wie du vielleicht weist - ist die Phase des Verliebtseins biochemisch ein Ausnahmezustand. Und so ziehen sich nach und nach die Hormone zurück und legen die Verantwortung für die Beziehungsqualität in die Hände der beiden Partner.
Allerdings wird dieser schleichende Wechsel von vielen nicht wahrgenommen. Man wähnt sich weiterhin des anderen sicher und glaubt, dass es nun für immer so und Harmonisch bleiben wird. Aber das ist ein Irrtum. Es ist ja nicht so, dass „der Alltag plötzlich über die Paare kommt - schließlich ist der Alltag auch während der Verliebtheitsphase da. Aber ohne Unterstützung durch die Glücks- und Liebeshormone geht der Fokus auf die Partnerschaft verloren und so bekommen der Beruf, Hobbys oder die irgendwann auch Kinder immer mehr Raum. Auf der Strecke bleibt ihr als Paar.
Das geht oft ganz langsam und schleichend, bis ihr irgendwann einmal wie Maria und Andreas merkt: Hey, irgendwie gefällt uns unsere Beziehung nicht mehr so, so wir sie gerade leben.
Eigentlich ist es offensichtlich, wie wichtig es ist, der Beziehung Raum zu geben. So dass die Beziehung - dieses unsichtbare Feld zwischen euch - mindestens genauso wichtig ist wie die Arbeit, die Kinder und sonstige Interessen und Verpflichtungen.
Das ist einfacher gesagt als getan. In der Verliebtheitsphase musstet ihr darüber nicht nachdenken - da geschah alles wie von selbst. Aber jetzt braucht es aktive Schritte
Und jetzt?
Jedes Paar ist anders. Und dennoch gibt es einige Schritte, die euch zurück zu mehr Verbundenheit helfen können.
Ich finde, das Wichtigste ist, dem Partner mitzuteilen, wie es dir in der Beziehung geht - ohne Schuldzuweisungen, ohne schnelle Lösungsfindung: „Ich habe das Gefühl, wir sind ein gutes Team.
Aber so intensiv wie früher finde ich es nicht mehr zwischen uns. Ich bin nicht mehr zufrieden mit unserer Beziehung. Wie siehst du das?“
Geht in den Austausch über eure Beziehung. Wahrscheinlich geht es dem anderen auch so. Dieses Gespräch kann der Anfang von neuer Tiefe zwischen euch sein.
Es passiert recht schnell, dass wir den anderen Verantwortlich machen dafür, wie es gerade ist. Es ist wichtig, jegliche Schuldzuweisungen zu unterlassen. Beispielsweise so: „Hey, die Beziehung,
so wie es ist, gefällt mir nicht mehr. Es war früher schöner, ich möchte mehr Lebendigkeit zurück, mehr Intimität, ich möchte mich Wohler fühlen mit dir.“ Das ist schon starkes
Zeichen.
Bei Maria und Andreas hat Beruf und Alltagsverpflichtungen den gesamten Raum eingenommen. Der Wochenkalender war so voll, dass die beiden keine Zeit als Paar mehr hatten. Abends, erschöpft vom
Tag, gab es nur noch das Fernsehprogramm, bei dem sie schweigend nebeneinander auf der Couch saßen.
Es war nicht einfach für die beiden, Zeit für sich als Paar zu finden. Dabei spielten auch Überlegungen eine Rolle wie: Wie füllen wir diese Zeit?
Nun wird es Zeit zu schauen, was Maria und Andreas wieder lebendiger werden lässt. Wie stellt ihr euch eine gelingende Partnerschaft vor? Was sind lang gehegte Lebensträume - vielleicht auch
solche, die ihr wegen der Partnerschaft aufgegeben habt?
Geht darüber in den Austausch. Nicht darum, dass ihr Lösungen findet, diese Träume umzusetzen. Sondern einfach, um den Anderen wieder mehr zu spüren, als Mensch mit Träumen, Wünschen und Visionen.
Dabei ist es gut, wenn es nicht nur bei einem Gespräch bleiben. Bleibt in Kontakt mit allem, was euch beschäftigt und berührt.
Maria und Andreas habe ich - wie den meisten „meiner“ Paare - das Neuanfang-Ritual empfohlen. Es ist ein wunderbares Mittel um
die vielen unausgesprochenen Themen in die Mitte eurer Beziehung zu bringen und eine ganz neue Qualität in eurer Kommunikation ermöglicht.
Beziehung ist ein unheimlich spannendes Feld, bei dem es so viel zu entdecken gibt. Es ist wichtig, nach den ersten Erfolgen dran zu bleiben. Aber: wer es wieder „schleifen“ lässt, weiß
zumindest, wie der Weg zurück anfängt.
Irgendwann macht es Sinn, auch an den tiefen Mustern der Persönlichkeit zu arbeiten, die immer wieder störend in das Beziehungsfeld hinein grätschen. Das geht am Besten mit Unterstützung - beispielsweise durch Therapie oder Paarberatung. Aber auch Kurse für Persönlichkeitsentwicklung wie beispielsweise die Gewaltfreien Kommunikation sind hilfreich.
Es gibt tausend Möglichkeiten, sich und die Partnerschaft positiv weiter zu entwickeln. Paarberatung kann hier ein sehr heilsamer Schritt sein: mit einem neutralen Blick von außen euch begleiten zu lassen und wertfrei gemeinsam zu schauen, wie ihr euch und eure Beziehung zu noch mehr inniger Verbundenheit und Liebe entwickelt.
Genau für Paare, die dies wollen, biete ich meine Paarberatung.